Symptome ausgeblendet – März 2014

Während der letzte Monatsblog ein Fragment geblieben ist – ich möchte es auch gern dabei belassen, gibt der März so einiges her.

Erfreuliches

Mehr als zehn Monate nach der Anmeldung habe ich diesen Monat endlich meine Magisterarbeit abgegeben. Es war eine Punktlandung mit genau den vereinbarten 80 Textseiten. Drei Tage vor Abgabe den letzten Punkt setzen und korrigieren.

Also dann zum Binden geben und warten. Einen Tag vorher. So bin ich dann auch durch das Büro gegeistert. Scheinbar zur Untätigkeit verdammt saß ich vor dem Rechner, lief ich im Büro hin und her. Dabei gab_gibt es genügend zu erledigen.

Am Tag der Abgabe ging alles schnell. Das Grinsen beim Verlassen des Prüfungsamtes stellte sich automatisch ein. War ja auch ein schönes Gefühl währte allerdings nicht lange.

Maskulisten auf dem Plan

Anfang des Monats, vielleicht war’s auch schon in der letzten Februarwoche, sorgten ein Professor und eine Studentin für Aufregung in der Presse. In einer Klausur schrieb eine Studentin dem zuständigen Professor ihre Meinung zum Klausurgegenstand und der dazugehörigen Vorlesung. Der Professor wähnte sich im Recht, nutzte seine Machtstellung allerdings gleich aus und ging an die Presse.

Ein Redakteur einer Lokalzeitung bauschte den Fall sogleich als sexuelle Belästigen gegen den Professor auf und brachte Brüderle mit ins Spiel. Vom Professor selbst nicht intendiert, ging es ihm lediglich um Beleidigung, da die Studentin sinngemäß die Worte verwendete, er habe ihr mit der Klausurfrage so richtig in den A**** gef***t, weil der Klausurgegenstand in der Vorlesung nebenbei behandelt worden sei.

Das rief wiederum rief BILD als auch sp.on auf den Plan. Ein Anruf im AStA-Büro und eine Antwort einer unserer Geschlechterpolitikreferentinnen später, waren die Maskulisten dieser Republik wach. Die Referentin war auf einmal auf einer gut dotierten Stelle als Gleichstellungsbeauftragte, wurde von einem Rassisten („Das ist der Wusch nach Apartheid, bei der die Frauen Weisse und die Männer Schwarze sind.“ – Rechtschreibfehler übernommen) des Rassismus bezichtigt. Keine der Kommentator_innen haben es in Erwägung gezogen, die Privilegien des Professors mit einzubeziehen. War allerdings leider zu erwarten.

Ein Mann, ein Programm?

… oder vielleicht nur ein erhöhtes Geltungsbedürfnis?

Die Testosteronhölle Mein Lieblingsmann (hear the irony) hat sich teils zurückgezogen, teils aber möchte er seine Macht nicht abgeben. Nun nicht mehr angestellt, ergriff er den Strohhalm und nahm ein StuPa-Mandat an. Ich dachte mir, ja, warum nicht; wenigstens eine von wenigen Personen, welche tatsächlich noch Politik macht. Fragwürdig ist es dennoch.

Ein Mensch, der die strukturellen Probleme der verfassten Studierendenschaft erkannt hat, sollte doch an deren Lösung arbeiten. Doch weit gefehlt. Anstatt an einer Problemlösung zu arbeiten bzw. Menschen dazu einzuladen, Möglichkeiten zu erörtern, werden die Symptome verstärkt. Das kann selbstverständlich auch eine Art Strategie sein, ist aber dem Anspruch, aus dem Strudel herauszukommen, eher abträglich.

Hinzu kommt ein überhöhtes Geltungsbedürfnis und die Behandlung der Referent_innen als kleiner Kinder. Manipulativ ist der arme, weiße, heterosexuelle Mann obendrein: Er versucht in Hinblick auf gewisse persönliche Konflikte andere auf seine Seite zu ziehen. Vielleicht sollte ich ihm mit einem Lächeln begegnen, was mich aber nicht minder zu einer ebensolchen Ekelmaschine macht.

Die Frage, die ich mir stelle, ist, reflektiert sich dieser Mensch? Oder hat er ein falsches Bild von seiner Stellung und seinen Privilegien innerhalb der Struktur?

Zurückgeworfen – Versuch einer Selbsteinschätzung

Durch die beendete Magisterarbeit ins Gremium zurückgekehrt, tauchen doch gleich wieder Verhaltensmuster auf, die ich an mir überhaupt nicht mag. Testosteronmodus on, oder so. Diesen Modus möchte ich gern verlassen und meine erarbeitete Sensibilität zurück. Ich finde mich gerade wieder neu ein. Was allerdings nicht so recht gelingen will. Alles wieder von vorn?

Auf einer der letzten Sitzungen habe ich gemerkt, dass ich gestresst und mit bestimmten Zielvorstellungen in die Runde gegangen bin. Leider habe ich während der Diskussion als auch meiner Redebeiträge nicht aus der Situation herausfinden können, obwohl ich von mir wusste, dass mein Agieren der Stimmung nicht zuträglich ist und sie eher noch verstärkt.

Die selbe Frage, die ich oben stellte, kann ich auf mich anwenden. Eine weitere kommt hinzu: Wie komme ich aus da raus? Was ist das Ergebnis einer solchen Selbstbefragung? Es könnte leicht eine Überschätzung der eigenen Stellung sein; aber auch eine Unterschätzung. Einige zusammenhängende Privilegien sind klar: männlich, weiß, heterosexuell. Des Weiteren habe ich bestimmte Erwartungen an das Gremium im Ganzen, was von einer früheren Erfahrung und Arbeit im AStA herkommt. Für einige Ältere und frühere Mitstreitende gelte ich als eine_r der Erfahreneren und könne das durchaus auch ausspielen. Möchte ich das? Muss das unbedingt sein? Ich denke nicht. Die Frage ist allerdings, welche Rolle möchte ich übernehmen? Welche habe ich bereits übernommen? Eine Antwort darauf bleibe ich mir bis heute schuldig, weil ich mich davor scheue.

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