Von horizontalen und vertikalen Privilegien

Der folgende Text greift einen Gedankenspuk von gestern auf. Ich muss das hier unbedingt loswerden, sonst lässt mir das keine Ruhe. Gleichzeitig möchte ich alle dazu einladen, diese Idee zu konkretisieren, kritisieren, Fehler zu finden, Texte und Links zu schicken, welche das schon gedacht haben oder dazu beitragen können, diesen Spuk enden zu lassen. Und wem ich jetzt ein Thema für die Dissertation verschaft habe, auch gut, nur würde ich dann gern genannt ;).

Wenn eine Idee kommt, sollte eins zunächst einmal nachschauen, ob dazu schon etwas ähnliches gibt, bevor darüber geschrieben wird. Allerdings stellt es sich hier etwas schwierig dar. Nichts zu finden. Über horizontale und vertikale Strukturen gibt es sicher recht viel, um genau daraus entsprechendes abzuleiten. Nur scheint es soviel, dass ich sehr lange damit beschäftigt wäre. Deswegen möchte ich diese Idee hier kurz umschreiben.

Ich habe mir gedacht, es muss doch irgendwie möglich sein Privilegienstrukturen zweidimensional abzubilden. Ich stelle mir also zunächst ein Koordinatensystem vor, dessen beide Achsen mit den Kategorien Race, Gender, Class und Age belegt sind. Nur stellt sich hier das Problem dar, dass alle Kategorien auch auf beiden Achsen abgebildet werden müssen, da sie sowohl vertikal als auch horizontal gedacht werden können. Ein entsprechenden Koordinatensystem müsste demnach aus vier Achsen bestehen, damit jede Unterkategorie grafisch dargestellt werden kann. Also wieder zurück zum theoretisch-imaginierten.

Eine zweidimensionale Abbildung scheint also nicht möglich, da sich die Kategorien verschränken und teilweise sogar nicht voneinander unterscheiden. Sie können sich also gegenseitig unsichtbar machen oder auch verstärken. Ein weiteres Problem ist, dass es unzählige Kombinationsmöglichkeiten gibt; zumindest soviel, dass ich auf anhieb nicht mal alle aufzählen könnte. Hinzu kommt der Diskriminierungsfaktor, der eine eher diskrete Kategorie darstellt und immer mit gedacht wird. So wird das ganze Gebäude zu einem sehr subjektiven Theoriegebilde.

Da ich das nicht weiter ausführen kann im Moment, hier einige Beispiele:

Die Kategorie Race stellt im Falle von Weiß ein horizontales Privileg dar, in dem Gender ein vertikales Privileg darstellt. Die Kategorien weiß, männlich und weiß, weiblich stellen wiederum ebenso horizontale Privilegien dar, in denen Age und Class vertikale Privilegien sind. Allerdings stellen männlich und weiblich jeweils für sich horizontale Privilegien dar, in denen Class, Age und Race vertikale Privilegien darstellen.

Und dann sendete ich das, was auch jetzt noch in mir dominiert:

Ich wäre für Hilfe und Kritik sehr dankbar.

Update 08.07.2013, 8.55: Mir wurde mittlerweile mitgeteilt, dass Sookee zu dem Thema arbeitet. Anderweitige Texte habe ich leider noch nicht gefunden. Freue mich über weitere Hinweise.

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4 Kommentare zu „Von horizontalen und vertikalen Privilegien

  1. Ich finde es gibt noch viele weitere Achsen als die vier, die du aufgezählt hast. Ich denke es braucht für jede Diskriminierungsachse eine Dimension. Nur weil sich das nicht aus Stöckchen basteln läßt, kann es trotzdem sinnvoll sein. Da ist keine Achse (ge-)wichtiger als die anderen, wobei es möglich ist einen Umstand aus einer bestimmten Richtung zu betrachten.
    Ich habe zu dem Thema Anfang des Jahres ein Comic gemacht – da ist mir besonders wichtig dass die Diskriminierung eine Richtung hat. http://annaheger.wordpress.com/2013/01/31/privilegien/

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    1. Danke für den Link. Das bringt mich in meinen Überlegungen sehr viel weiter.
      Das Spinnennetz ist sehr gut geeignet das zu kartographiert. Vielen Dank. 🙂

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