Schablone des Einfachen – Januar 2014

Der erste Monat des Jahres ist vorbei. Ich hänge hinter meinem Zeitplan hinterher. (Die sind zwar eh nicht dazu da, eingehalten zu werden, aber es wäre doch mal schön gewesen.) Und die Herzliste? Es scheint, dass sie warten muss; vorerst. Das Jahr 2014 hatte bisher noch wenig mit Lachen und Glitzer zu tun. Die Momente sind zu wenige. Aber ich genieße sie sehr.

Von diesem Monat bleiben eher Verhaltensweisen, die ich glaubte, in den letzten Jahren in den Griff bekommen zu haben. Dabei sind nicht nur überschwängliche Handlungen, welche Verbündete enttäuschen und die mich zu einem unzuverlässigen Partner machen. Darunter sind Reaktionen, die ich ohne Umschweife als stereotyp männlich bezeichnen möchte. Reaktionsweisen, die nach einem typischen Muster ablaufen. Schablonenartig. Und ich weiß nicht, wie ich mich dagegen stellen kann.

Das Umfeld, in dem ich gerade arbeite, sehr männlich geprägt. Das geht nicht spurlos an mir vorüber. War ich in der Anfangszeit noch der Annahme, dass sich die Streitigkeiten um strukturelle Probleme drehen, bin ich heute mehr davon überzeugt, dass hier Hahnenkämpfe ausgetragen werden. Sicher mag eine Struktur nie frei von den Beziehungen zwischen den in ihr Wirkenden sein. Wenn aber das Persönliche mehr Gewicht hat in der Zusammenarbeit und im Umgang miteinander, dann ist ein spannungsgeladenes Arbeitsklima nicht zu vermeiden. Dadurch hat sich eine männlich dominierte Hackordnung ausgeprägt. Wissensvorsprünge und unhinterfragte Expertise, Prozesse, die nicht synchronisiert werden können, sind das Ergebnis. Eine Gruppe wird von Einzelpersonen vor sich her getrieben. Es werden Intrigen geschmiedet oder Informationen vorenthalten bzw. zu spät geteilt.

Was macht das mit mir?

Als eine Art Autoreflex habe ich mir Verhaltensmuster angeeignet, die ich als meine eigene Testosteronhölle bezeichne. Vielleicht ist das auch nur ein Schutzmechanismus. Aber hier passiert leider viel mehr als nur eine passive Reaktion. Das, was ich mache aus der Situation, ist das wichtigere. Wenn ich einem weißen Dudebro weißen Mann, der seine Alpha-Position gefährdet sieht, Definitionsmacht zugestehe, ist das nicht etwa der Verzicht auf die eigene Position. Es ist einerseits die Verleugnung dessen, wofür das Konzept Definitionsmacht entwickelt wurde. Andererseits bedeutet es die Anerkennung einer Rangordnung, die mir zuwiderläuft. Genauso verhält es sich mit dem Schweigen, wenn mich jemand mit der Struktur bzw. einer expliziten Gruppe verwechselt, die er zu maßregeln wünscht.

Es gibt Menschen Männer innerhalb dieser Struktur, die der Meinung sind, alles besser zu wissen und sich in alle Prozesse einmischen zu müssen. Sie performen eine omnipotente Männlichkeit. Um mich als ebenbürtig erweisen zu können, habe ich zumindest einen Teil dessen internalisiert: Männlichkeit. (Omnipotent und allwissend möchte ich überhaupt nicht sein.) Damit verliere ich aber nur an mir selbst und neige zu unterkomplexem Handeln. Unterkomplexes Handeln als nicht reflektiert, als Männlichkeit in seiner Grundstruktur. Der Schalter zu einer bestimmten Reizreaktion scheint ständig umgelegt zu sein. Sofort in Abwehrstellung handle ich affektvoll primitiv.

Die Trennung zwischen Arbeits- und persönlicher Ebene verschwimmt viel zu sehr und ich bin froh, wenn ich hier wieder raus bin.

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