Ein Blog ist kein Tagebuch ist ein Tagebuch ist kein Blog

Es ist schon erstaunlich, wie ich immer weniger mit einem Stift schreibe. Mein Tagebuch liegt seit Wochen unangetastet im Regal, die Tinte im Federhalter ist schon längst eingetrocknet und ich bekommen es trotzdem nicht einmal hin, einen Blogeintrag ohne abzusetzen runter zu schreiben, obwohl alles in meinem Kopf ist. Viel zu viele Seitenstränge machen sich auf und die Abschweifung vom Eigentlichen wird zum vorrangigen Thema.

Worum es geht, ist nicht einfach zu bestimmen; oder doch und ich benutze das nur als Ausrede? Ich schlage gerne Haken und ziehe den Kreis um das, worüber ich schreiben möchte, meist nicht enger, sondern vergrößere den Radius eher noch. Wenn es mir doch gelingen sollte, zuzuschnappen, dann ist es selbst für mich ohne Vorwarnung. Hier geht es mit Sicherheit nicht um das Thema „Blog als Tagebuch“. Andererseits; doch, irgendwie schon, weil es vielleicht vielmehr Anreize hat, die Gedanken mit anderen zu teilen bzw. das, was sonst unausgesprochen bleibt, zu sagen. Ist das nicht ähnlich wie ein Eintrag im Tagebuch?

Ich habe keinen blassen Schimmer, was von einem Blog erwartet wird. Geschweige denn weiß ich, was ein Tagebuch ausmacht und was darin verschirftlicht wird. Ich habe aber den Eindruck, dass ein Blog zunächst für die politische Dimension des Privaten zuständig ist, sofern es sich um zu tiefst persönliche Dinge handelt. Scheinbar ist das aber der einzige erkennbare Unterschied. In einem Tagebuch steht schließlich alles mögliche drin.

Diese Sichtweise ist mir genauso verkürzt, wie sie für euch™ zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten eines Blogs oder eines Tagebuchs ausklammert. Ein Blog ist mehr als ein Tagebuch. Ein Tagebuch ist deswegen nicht weniger als ein Blog. Die Frage ist, was macht einen Blog so spannend, sich darin zu offenbaren, scheint doch der sogenannte Terror der Intimität darin bestätigt. Die Antwort ist schon längst gegeben: die politische Dimension des Privaten, die Einladung zur Debatte, der Ruf nach Hilfe. Die allein beschreiten zu wollen, macht keinen Frühling.

Nun genug für heute

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