Identitätslos in die Kriese – Juni und Juli 2014

Die Frage danach, wer ich bin oder was ich sein möchte, scheint keinesfalls zufrieden bzw. zufriedenstellend beantwortet werden zu können. Da zeigen sich in der Selbstbeobachtung Verhaltensweisen oder Gedanken, die mich überraschen, weil sie überwunden gedacht sind. Es sind vermeintliche Kleinigkeiten, welche aber in der eigenen Erinnerung so peinlich sind, dass sie mich erstarren lassen. Ich nehme Tendenzen wahr, die eine Reproduktion bestimmter Muster offenbaren.

Woran kann das liegen? Es könnte durchaus sein, das ich mir in der letzten Zeit zu sicher war. Es ist aber definitiv so, dass es darunter auch Situationen gab, in denen ich mir unsicher war, wie ich mich verhalten kann oder soll und jegliches Wissen versagt hat. Was mich dabei erstaunt, ist das Versagen sämtlichen Verhaltenstrainings. Nun klingt dieses Wort ziemlich hart und hat die Intention einer mittelbaren Optimierung. Doch was ich hier meine, ist eine Option, die alle haben: Die Option, Arschloch zu sein oder nicht, Ausgrenzungs-, Diskriminierungsstrukturen oder Rollen zu reproduzieren oder nicht. Selbstverständlich ist die Persönlichkeitsentwicklung immer nur bedingt unmittelbar. Jedoch habe ich an einem bestimmten Punkt die Wahl, was mich beeinflusst und ob ich bestimmte Rollen annehmen möchte oder nicht; und gerade – welche Rollen ich definitiv wahrnehmen möchte. Das Entscheidungsproblem bleibt dennoch weiterhin bestehen. Die Frage, ob dem tatsächlich so ist oder nicht.

Eine Verneinung folgt der nächsten

Bei der Frage nach Identität geht es allerdings nicht nur darum, wer ich nicht sein möchte oder wer ich gerne sein möchte oder sein kann. Ein Teil dieser Frage beschäftigt sich auch damit, wer ich aktuell bin – Identitätslosigkeit scheint in diesem Sinne nicht erfüllt. Nur beginnt genau da die Krise.

Wer oder was bin ich aktuell?

Das lässt sich nur aus der Sicht der Anderen und ihrer Spiegelung auf mich klären. Anatomisch zunächst sprechen primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale dafür, dass ich männlich bin. Meine Sozialisation bestätigt dies zunächst ebenso. Ich unterstelle unter anderem meiner Umwelt, dass sie mich auf Grund sozialer Einschreibungen auch cis-männlich wahrnimmt. Das ist zunächst der Grobe Überblick.

Möchte ich das sein? — Nein!

Warum ich das nicht möchte, habe ich hier schon einmal geschrieben. Ich finde mich nun lange nicht mehr mit der Realität ab.  Arrangiert habe ich mich mit ihr einzig und allein auf Grund bestehender Normen. Es besteht keinerlei Deckungsgleichheit mehr zwischen mir und dem Anderen (Neutrum). Wenn diese Kongruenz Identität ist, dann bin ich identitätslos.

Was ist daran kritisch?

Kritisch ist zunächst der Rückfall in alte Verhaltensmuster. Hinzu kommt ein Versteckspiel in der Masse und auch vor Menschen, die ich fast täglich sehe. Ausbrüche daraus lasse ich selten zu und nur vor Ausgewählten.

Kritisch ist vor allem auch, dass sich das Unbehagen körperlich auswirkt; stärker und stärker. Es gäbe eine Lösung. Ist eine Transformation das, was ich möchte? — Unentschieden. An diesem Punkt beginnt eine Irritation einzusetzen. Denn wie gehe ich mit meinen Wünschen und der Verhaftung in einer binär codierten Gesellschaft um? Das Durchbrechen der heterosexuellen Matrix scheint zunächst nicht schwer; allerdings geht das nur einher, wenn ich mich von ihrer Binarität als schier nicht zu überwindend geltender Norm befreie. Die Macht, die dieser innewohnt, mag zwar künstlich hergestellt sein und ihre Wirklichkeit kommt lediglich zur Geltung, weil sie immer wieder ausgesprochen wird. Doch allein ihre Existenz und der auf sie gerichtete politische Alltag scheint einen sehr großen Teil der Gesellschaft in sie einzuzwängen.

(Wem erzähl ich das alles überhaupt?)

Kritisch ist an dieser Stelle, dass mich der Körper, mit dem ich geschlagen bin, frustriert. Keineswegs äußert sich darin eine platte übersteigerte Unzufriedenheit auf Grund von Schönheitsidealen. Selbstwahrnehmung, äußere Erscheinung und Spiegelung können diametraler nicht sein.

to be continued

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